Erstellt: 13. Dezember 2012 Zugriffe: 4901

Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus zu Neuötting

Patrozinium: St. Nikolaus und St. Andreas

Vorgeschichte

Von welcher Seite auch immer der Besucher sich der Stadt Neuötting nähert, immer grüßt schon von weitem die auf einem Bergrücken gebaute Stadt, beherrscht vom mächtigen Bau der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus mit dem hoch aufragenden Turm. Urkundlich wird Neuötting als selbständiges Gemeinwesen erstmals erwähnt im Schlichtungsvertrag vom 25.8.1231 zwischen Erzbischof Eberhard 11. von Salzburg und dem bayerischen Herzog Ludwig, dem Kelheimer. Diese Urkunde bezieht sich zwar auf das 1228 wiedererrichtete Chorherrenstift in Altötting, ist aber auch für Neuötting bedeutungsvoll, weil hier zum ersten mal der Ort mit den charakteristischen Eigenschaften einer Stadt erkennbar und zwischen den beiden Orten Alt- und Neuötting unterschieden wird. Neuötting wird hier als „forum novum Odingen" bezeichnet. Am 21.12.1321 werden speziell für Neuötting die Stadtrechte bestätigt.


Bezeichnend für die lange Verbindung von Alt- und Neuötting, so unterschiedlich sie nach ihrem Ursprung und ihrer Entwicklung im Lauf der Jahrhunderte sein mögen, ist das Stadtsiegel von Neuötting. Das bereits im 13. Jahrhundert verwendete Siegel zeigt nämlich den Oktogonen Zentralbau der heiligen Kapelle, in dessen geöffnetem Portal das uralte Gnadenbild - als Vorläufer des nachmaligen Gnadenbildes - eine sitzende Madonna mit Kind, zu sehen ist.

Die Anfänge einer selbständigen Seelsorgesteile in Neuötting sind unbekannt. Auf jeden Fall wurde die alte Säkularpfarrei bei Wiedererrichtung des Chorherrenstiftes in Altötting 1228 demselben incorporiert und von dort excurrendo pastoriert, 1516 zum Vikariat erhoben und nach Aufhebung des Kollegiatsstiftes durch die Säkularisation am 20.3.1813 neu als Säkularpfarrei errichtet.

Ebenfalls im Dunkeln liegen die Anfänge einer eigenen Neuöttinger Pfarrkirche. Erstmals wird in einer Urkunde vom 11.10.1335 eine solche erwähnt, als Heinrich XIV., Herzog von Niederbayern, ein mit 10 Pfund Regensburger Pfennigen jährlicher Gilt ausgestattete ewige heilige Messe auf den Altar des hl. Nikolaus in der Pfarrkirche zu Neuötting stiftete. Wo sie stand, ist nicht bekannt; aber mit Sicherheit nicht auf dem Platz der jetzigen Pfarrkirche, sondern vermutlich etwas weiter östlich auf der Süd-Seite des Stadtplatzes.

Baugeschichte

Nach der Inschrift am Türbogen zur alten Sakristei 13 im Unterbau des Turmes „anfang . des . khor . un . Turm . 1410 anfang . des . lannkhaus . 1484" wurde mit dem Bau von Chor und Turm 1410 begonnen und das Langhaus folgte 1484. Beim Bau der Kirche, der sich wie die anderer großer Kirchenbauten fast über ein Jahrhundert hinzog, sind 4 Bauab- schnitte zu erkennen.

Der 1. Bauabschnitt umfasst die Zeit von 1410 bis 1429, in dem Presbyterium und Turm und die erste, östliche Kapelle auf der Südseite 12 errichtet wurden. Sie enthält einen weiteren wichtigen Gedenkstein zur Baugeschichte der Kirche. Seine Inschrift besagt, dass ein Hans Perkhauser bereits 1429 diese Kapelle mit heiliger Messe gestiftet hat. Ein klarer Absatz im Mauerwerk: der Außenseite zeigt ebenfalls an, dass hier eine Zäsur erfolgte im Bau der weiteren Kapellen. Die Kirche, in ihrer Größe für die damalige und auch für die in Zukunft zu erwartende Einwohnerzahl viel zu groß angelegt, hat schließlich die finanziellen Mittel, die in erster Linie die Bürgerschaft aufzubringen hatte, schon nach Vollendung des ersten Bauabschnittes erschöpft.

So konnten im 2. Bauabschnitt, der etwa die Zeit von 1430 bis 1446 umfasst, lediglich 2 Seitenkapellen auf der Nord-Seite (1+2) angebaut werden. Die Mittel dazu kamen von vermögenden Stiftern.

Auf der Nord-Seite wurde die erste, östliche Kapelle (1) von Margaretha Harskircherin, der Witwe von Hannsen Altenburger, gebaut. Sie hat bereits 1440 bestanden, da ein Kardinal Johannes allen, welche der von Frau Margaretha Harskircherin auf den Altar des hl. Martin gestifteten Messe anwohnen, einen Ablass erteilt hat.

Auf jeden Fall hat sich ihr 1446 eine weitere Kapelle (2) der Zwölf Boten (= Apostel) Bruderschaft der Kaufleute angeschlossen, wie eine Marmortafel in dieser Kapelle berichtet: „die . chappeln . vnd . den . altar . habend . gepawt . dy . pruederschaft . in den. eren . der. heiligen . czwelif pote . an° di m° CCCC° xlvi°". Diese beiden Kapellen sind noch ganz nach den Plänen von Hans Stethaimer gebaut mit ihren nach außen vorstehenden Strebepfeilern, die in den späteren Kapellen gänzlich im Mauerwerk zwischen den Kapellen verschwinden.

Der 3. Bauabschnitt umfasst zeitlich gesehen etwa die Jahre 1460-1480 und räumlich die drei mittleren Kapellen (8, 9, 11) auf der Süd-Seite einschließlich dem Süd-Portal (10), der jetzigen Kriegergedächtniskapelle.

Die Jahreszahl1484, die den Neubeginn des 4. Bauabschnittes angibt, der zugleich das vorläufige Ende des Bauwerkes gebracht hat, ist gleich dreimal in Stein gemeißelt festgehalten: am Türbogen zur alten Sakristei (13), am vorderen Pfeiler des linken Seitenschiffes (14) und am Kanzelpfeiler (15) (durch die Eingangstüre zur Kanzel verdeckt). Dieser letzte Bauabschnitt umfasste das Nord-Portal (3), die 3 folgenden Kapellen der Nord-Seite (4, 5, 6), die westlichste Kapelle der Süd-Seite (7) zusammen mit der westlichen Abschlusswand der Kirche samt den Säulen und dem Dach des Langhauses. Bei diesem Bauabschnitt finden sich auch sehr reizvolle Kragsteinköpfe, in der Tracht des ausgehenden 15. Jahrhunderts, insgesamt 21 einschließlich des Nord-Portals. Da auf der Süd-Seite die vorletzte westliche Kapelle (8) laut Inschrift bereits 1492 mit Fresken ausgemalt worden ist, dürfte in diesem Jahr der Bau abgeschlossen gewesen sein.

Zwei Schönheitsfehler hatte die Kirche allerdings nach ihrer Fertigstellung, die wohl beide aus der finanziellen Not zu erklären sind. Das Hauptschiff mit den beiden Seitenschiffen konnte nicht mehr eingewölbt, sondern nur mehr mit einer hölzernen Flachdecke versehen werden, die erst im Jahre 1622 durch ein steinernes Gewölbe ersetzt wurde. Der zweite Schönheitsfehler bezieht sich auf den äußeren Westabschluss des Baues. Die schmucklose, nur mit einfachen Strebepfeilern versehene Abschlusswand lässt den Betrachter recht unbefriedigt. Man sieht es auf dieser Seite der Kirche förmlich heute noch, wie froh man war, endlich auch das Langhaus nach 80jähriger Bauzeit abschließen zu können.

Der Baumeister

Mit dem Kirchenbau beauftragten die Neuöttinger den bedeutendsten Baumeister der altbayerischen Spätgotik, Hans Stethaimer, oder „Hans von Burghausen", wie er wohl richtiger nach der neueren Forschung bezeichnet wird. „hanns stainmezz", wie er sich selber nannte, wurde um 1360 zu Burghausen geboren und ist am 10.8.1432 in Landshut gestorben. Die Inschrift auf seinem Grabstein an der südlichen Außenmauer der St.-Martins-Kirche zu Landshut zählt unter seinen Großbauten auch die Kirche zu Neuötting auf. Unter einem Baldachin mit Erbärmedichchristus ist die Büste des großen Meisters abgebildet; darunter steht zu lesen, dass er neben den Kirchen zu Landshut (St. Martin und Heiliggeist), die zu Salzburg (Chor der Franziskanerkirche), zu Ötting (Neuötting), zu Straubing (St. Jakob) und zu Wasserburg (St. Jakob) erbaut hat. Von den drei Wappen gehört das Mittlere mit den gegeneinander gestellten Winkeleisen dem Meister, das Linke seiner bisher unbekannten ersten Frau und das Rechte der zweiten Frau Anna Inninger. Eine Nachbildung dieses Gedenksteines zusammen mit einer erläuternden Schrifttafel befindet sich auf der Stirnseite des nördlichen Seitenschiffes links vom Herz-Jesu-Altar (16).

Der Außenbau mit Turm

Außen wirkt der gewaltige Backsteinbau, der sich im Chor an den mächtigen Turm anlehnt, durch die Strebepfeiler und die weiten, hohen Fenster des Hochgadens wohltuend gegliedert. Der stattliche Turm mit einer Höhe von 78 m gefällt besonders wegen seiner ausgewogenen Proportionen in Aufbau und Gliederung. Aus seinem quadratischen Grundriss in den Untergeschoßen ist der Turm in einen achteckigen Querschnitt übergeführt. Diese Verjüngung der Baurnasse ist durch einen überaus flüssigen Übergang bewirkt. Zusammen mit der geradezu optimalen Dimerisionierung zwischen Turmkörper und Turmhelm bedingt sie jene Ausgeglichenheit der Maßverhältnisse, die diesen Turmbau im Fern-, wie im Nahbild in ganz besonderer Weise kennzeichnet. Der von den beiden Stadttoren gleichsam wie in einem Rahmen eingefasste Durch- und Ausblick auf den Turm gibt dafür eine sehr eindrucksvolle Bestätigung.

Der Innenraum der KircheInnenraum der Stadtpfarrkirche

So abweisend im Einzelfall der Backsteinrohbau auf den Besucher wirken mag, um so überraschender zeigt sich dem Eintretenden ein weiter, heller, freundlicher Innenraum. Die Kirche wurde von Stethaimer als dreischiffige Hallenkirche mit niederen Seitenkapellen zwischen den Strebepfeilern geplant und im wesentlichen auch nach seinem Tod so ausgeführt. Die Kirche ist im Innern 49 m lang; das Langhaus umfasst 6 Joche und die lichte Höhe zwischen Fußboden und Gewölbescheitel beträgt 22,5 m. Der Chor, ein wenig breiter als das Mittelschiff, hat ein weiteres und ein engeres Langjoch und schließt mit 5 Achteckseiten ab. Im Langhaus entspricht die Höhe (22,5 m) fast genau der Breite (Haupt- mit Seitenschiffen 21 m) der Kirche. Die reich profilierten aus Ziegelstein gemauerten Pfeiler zeichnen sich durch außergewöhnliche Schlankheit aus. Ohne die beiden vorgesetzten Runddienste haben sie an der schmalsten Stelle nur einen Durchmesser von 88 cm. Die hochstrebenden Pfeiler, die für das Hallenkirchen-System mit annähernd gleicher Scheitelhöhe des Mittelschiffes und der Seitenschiffe und den großen Fenstern des Hochgadens, die das Licht ungehindert in den Raum fließen lassen, ergeben ein wahrhaft imponierendes Raumbild, das dem Besucher schon beim Betreten der Kirche staunende Bewunderung abnötigt.

Die Innenausstattung

Die St.-Nikolaus-Kirche wurde im Lauf der Jahrhunderte vielfach und gründlich je nach Stilrichtung und Zeitgeist umgestaltet. Im Wesentlichen lassen sich vier solche Erneuerungs- bzw. Restaurierungswellen unterscheiden.

1. Ausgestaltung im Geist der Renaissance

Um 1600 ging man daran, die Gewölbe im Chorraum und in den Seitenkapellen, die mit gotischen Zwickelmalereien versehen waren, mit Ornamenten und figürlichen Darstellungen im Stil der Renaissance zu übermalen. Die Eingänge zu den Kapellen wurden mit Rollwerkrahmungen geschmückt und die Kapellenwände vielfach mit biblischen Szenen und Heiligenbildern bemalt. Von dem 1614 von „Alt Herr Mauttner Michael Wagnerckh" aufgestellten neuen Hochaltar sind keine Einzelheiten bekannt, noch weniger von dem gotischen Ursprungsalter aus der Erbauungszeit. 1622 gelang es endlich, die Holzdecke im Langhaus durch ein Gewölbe zu ersetzen. Der Meister Veit Schmidt, der kurz vorher bei den Augustinern in München die Kirche stuckiert hatte, erhielt 1622 den Auftrag, die fehlenden Gewölbe einzusetzen und das Langhaus mit schönem Stuck zu versehen, was im folgenden Jahr auch geschah. Die einzigen Gewölbe aus der Erbauungszeit befinden sich in den Seitenkapellen und im Presbyterium. Der Bürgermeister Christoph Lohner und seine Ehefrau Helena Jetzingerin haben 1642 laut Stiftertafel (27) die Empore samt Orgel errichten lassen. Schließlich kamen 1650 zwölf große Tafeln mit Bildern aus dem Leben des HI. Nikolaus in die Kirche, die bei der Regotisierung wieder entfernt wurden. Sie sind in den fünfziger Jahren nach langjähriger Auslagerung wieder an die Kirche zurückgegeben worden. Mangels freier Wandflächen ließ sich jedoch im Kircheninnern kein geeigneter Platz für sie finden.

2. Ausgehende Barockzeit

Das Kirchengestühl, eine hervorragende Rokokoanlage, stammt aus dieser Periode. Das Gestühl, das den breiten Mittelgang und damit die Großzügigkeit des Kirchenraumes in keiner Weise beengt, macht mit seinen Türchen einen geschlossenen, harmonischen Eindruck. Sind die früher üblichen kleinen Hinweisschilder in den Kirchenbänken, die den jeweiligen Namen des Platzinhabers angaben, auch längst verschwunden, so weisen doch noch drei in Holz eingelegte Wappen an den Stuhltürchen auf deren Benützer hin. Der erste Stuhl links am Mittelgang (14) zeigt das Wappen der Grafen Joner, welche lange Zeit Churfürstliche Pfleger in Neuötting waren. Der vierte Stuhl auf der rechten Seite (24) trägt das Wappen der Kaufmannsfamilie Cartier (P C = Peter Cartier). Von ihnen wurde das prächtige Weihwasserbecken (17) im Mittelgang gestiftet, das 1769 in der Kirche aufgestellt wurde. Die Inschrift am Fuß des Beckens gibt Aufschluss darüber. Wie aus dem Grabstein des Stifters in der Sebastianikapelle (4) zu ersehen, ist der Wohltäter der Kirche bereits 1 Jahr vor Aufstellung des Beckens plötzlich im Alter von 45 Jahren gestorben. Sein Bruder hat das gute Werk zu Ende geführt; deshalb der Zusatz „& frere" bei der Widmung. Das dritte Wappen befindet sich am Betstuhltürchen der letzten Kirchenbank neben dem Westportal (25) und gehört der Familie Kreuzberger. Nicht zu übersehen ist auf dem Weg zwischen dem Eingangsportal und dem Mittelschiff die Rokokofigur des HI. Nikolaus auf einem Opferstock stehend (26).

Als einziger Altar aus dieser Zeit hat sich der aus Marmor in der Sebastianikapelle (4) erhalten. Er wurde vom Steinmetzmeister Jakob Mösl in Salzburg 1776 für 420 fl. hergestellt. Das Altarbild (1797) mit dem Martyrium des HI. Sebastian und dem HI. Rochus im Aufzug stammen von J. N. della Croce aus Burghausen.

Nicht zuletzt kam in dieser Zeit der 3. Hochaltar in die Pfarrkirche. Der aus Landshut stammende Mesner Josef Anton Schorn hat für 250 fl., die er selber zusammengebettelt hat, den Hochaltar aus der Dominikanerkirche zu Landshut gekauft. 1789 konnte der Altar, der durch einen neuen ersetzt wurde, nach Neuötting transferiert werden. Übrig geblieben ist von diesem großen Hochaltar, der schließlich auch in Neuötting 1896 einem neuen weichen musste, lediglich das Bild vom oberen Abschluss des Altares (um 1700) (27). Es stellt Maria dar, wie sie dem HI. Dominikus den Rosenkranz übergibt; zu deren Füßen beschützt ein Engel mit seinen weit ausgebreiteten Schwingen die Stadt Landshut.

3. Die Zeit der Regotisierung

Mit der Neuanschaffung der Kanzel (15) aus der Hand des Kunstschreiners Mathias Bachstefel begann 1854 die Regotisierung der Kirche. Aus der gleichen Werkstatt folgten drei weitere Seitenaltäre, die jedoch nur eine bescheidene kunsthandwerkliche Qualität aufweisen. Gezielt und planmäßig wurde die Neugotisierung unter Pfarrer Heinrich Dachs (1876-1901) weitergeführt. 1878 wurden die Hochfenster der Süd-Seite wieder geöffnet, die 1799 bis auf kleine Ovalfenster vermauert worden waren. Der gesamte Renaissancestuck wurde abgeschlagen und die Langhausgewölbe mit Rippen versehen. Die Empore wurde angehoben und eine sehr gut im Geist der Gotik nachempfundene Balustrade aufgesetzt.

Bei der Neugotisierung wurden durch den Kirchenmaler Haberland aus Eggenfelden 1878 alle Fresken übertüncht und in der Gewölbezone ein blauer Sternenhimmel aufgemalt. Von 1880-1883 folgten die beiden Altäre (Herz Jesu und Herz Mariä) (16, 23) in den Seitenschiffen, sowie fünf weitere Altäre in den Seitenkapellen. 1884 konnte die neue Sakristei auf der Südseite des Presbyteriums (18) mit einer neu gotischen Ausstattung versehen und das jetzige Chorgestühl angeschafft werden. Den vorläufigen Abschluss bildete 1896 der Hochaltar und die in Steinfarbe gefassten Holzgeschnitzten 12 Apostelstatuen im Chorraum, die ein Meister Huber aus München geschaffen und die Mayer’sche Kunstanstalt In Landshut geliefert hat. Diese Firma hat auch mit 2 Ausnahmen (10, 12) von 1887-1910 die Farbfenster in den Seitenkapellen und die 3 großen Chorfenster geliefert.

Franz X. Leeb, von 1902-1921 Stadtpfarrer und Heimatforscher, ließ 1904 den Kreuzweg von Stoiber in Landau/Isar nach den Gesichten der Hl. Katharina Emmerich herstellen.

Bei der 14. Station (1) ließ er sich bei der Grablegung Jesu als Apostel Johannes darstellen. Er war es auch, der zum 500jährigen Jubiläum der Kirche 1910 das Gotteshaus erneut tünchen und den blauen Sternenhimmel entfernen ließ.

4. Innenrestaurierung von 1974-1984

Die letzte Kirchenrenovierung hatte das Ziel, unter Beibehaltung der größtenteils neugotischen Einrichtung den Kirchenraum durch Entfernung des düster und schwer wirkenden grauen Maueranstrichs freundlicher zu gestalten. Zur Aufhellung des Raumes trug auch viel die Neuverglasung der Fenster im Obergaden mit weißem Antikglas bei. Im Chorgewölbe und in den Seitenkapellen wurden von der Firma Schlee, Altötting, die Renaissancemalereien freigelegt, soweit sie noch halbwegs erhalten geblieben sind und mit der vorhandenen Einrichtung (Altäre und Kreuzwegstationen) nicht in Konkurrenz traten).

Das Presbyterium wurde mit neuem Untersberger Marmor ausgelegt und von Wolfgang Hirtreiter, Gröbenzell, der Mittelaltar mit Ambo aus Adneter Marmor geschaffen. Nicht zuletzt wurde das Renaissance-Orgelgehäuse um 190 cm angehoben, ergänzt, restauriert und von der Fa. G. Schmid, Kaufbeuren, mit einer neuen Orgel versehen.

Durch die letzte Renovierung ist es gelungen, den Kirchenraum in seiner ursprünglichen Schönheit wieder herzustellen, ohne auf die Einrichtungsgegenstände zu verzichten, die die früheren Generationen als Ausdruck ihrer Zeit und Frömmigkeit der Kirche einverleibt haben.

Rundgang durch die Kirche

Presbyterium

Der Hochaltar (1896) stellt von der gesamten neugotischen Ausstattung das reifste Werk dar und fügt sich zusammen mit den Glasfenstern harmonisch in den hoheitsvollen Chorraum ein. Im Aufbau dem gotischen Flügelaltar folgend, zeigt er im Inhalt die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen.

Auf der Vorderseite des Altartisches sind die für den neuen Bund vorbildlichen Opfer Abrahams und Melchisedeks dargestellt. Die 4 Propheten Isaias, Jeremias, Ezechiel und Daniel in der Predella haben in ihren Schriften den kommenden Messias angekündigt. Sein Kommen wird im geöffneten Hauptschrein dargestellt, angefangen von der Verkündigung über die Geburt und Anbetung durch die Weisen bis zum Beginn seines öffentlichen Auftretens bei der Taufe im Jordan. Die Rückseiten der beiden Flügel zeigen Jesus am Ölberg und seine Grablegung. Herzstück des Altares bildet der Gnadenstuhl, Sinnbild des göttlichen Erbarmens, flankiert von den beiden Patronen der Kirche, dem HI. Nikolaus und dem HI. Andreas. Im Gespränge hält der Erzengel Michael Wache. Die Glasfenster mit der Himmelfahrt des Herrn (links) und der Geistsendung (rechts) runden inhaltlich das heilsgeschichtliche Thema des Hochaltares ab.

Auf der linken Wand des Presbyteriums hängt ein Epitaph (13) im neugotischen Rahmen (1904), das an Bernhard Bogner († 1588), Törringischer Richter in Tüssling und Bürger zu Neuötting, einen großen Wohltäter der Pfarrkirche erinnert. Das in reinem Renaissance aus einer Solnhofer Steinplatte herausgearbeitete Hochrelief stellt inmitten einer figurenreichen Gruppe Jesus als den göttlichen Kinderfreund dar. In einer darunter liegenden Nische ist der Stifter Bogner vor der Statue des HI. Nikolaus kniend dargestellt. Im Hintergrund ist die älteste, wenn auch nur stilisierte Ansicht des Stadtplatzes von Neuötting zu sehen.

Auf der rechten Seite hängt ein Mariahilf-Bild (1688) in einem reich geschnitzten Akanthusblätterrahmen (20).

Hl.-Kreuz-Kapelle (1)

Die östlichste Kapelle auf der Nord-Seite wurde um 1440 von Margaretha Altenburgerin erbaut. Auf dem Altar sind neben Christus im Kerker 2 spätgotische Bildtafeln eingelassen. Das linke Bild stellt den HI. Achatius (nicht Koloman, wie angeschrieben) und die rechte Tafel den Hl. Sigismund dar. Das Glasfenster erzählt die biblische Geschichte vom Ägyptischen Joseph. Neben verschiedenen Stifter-Wappen sind im Gewölbe der Kapelle Leidenswerkzeuge des Herrn zu sehen: Martersäule, Schilfrohr, Kreuz und Leiter.

Opferstock mit St. NikolausstatueZwölf-Boten-Kapelle (2)

Laut Stiftertafel unter dem Fenster wurde die Kapelle und der Altar von der Zwölf-Boten-Bruderschaft der Kaufleute 1446 erbaut. So ist den zwölf Aposteln auch das Fresko (1596) an der West-Wand gewidmet; es zeigt die Verabschiedung der Apostel nach dem Heimgang Jesu (Divisio Apostolorum). Im Gewölbe sind die 4 Evangelisten und 4 Engel mit der „Urbotschaft" der 4 Evangelisten zu sehen. Das Glasfenster hat den göttlichen Kinderfreund zum Inhalt, gestiftet 1898 von Barbara Bittl, hergestellt in der Mayer'schen Kunstanstalt. Das Altarbild hat das Fest Kreuzauffindung zum Inhalt. Die Assistenzfiguren stellen die beiden Diözesanpatrone von Salzburg und Passau, den hl. Rupert und den hl. Maximilian dar.

Die Predella enthält die Bilder der HI. Liana (= Juliana von Lüttich) mit der Monstranz und die HI. Theresia von Avila mit Buch und Schreibkiel.

Nord-Portal (3)

Im Mittelpfosten steht eine spätgotische Madonna mit Kind aus Steinmasse gehauen. Ebenfalls in die Vorhalle ist in die Ost-Wand ein Hochrelief „Christus am Ölberg" eingelassen. Die Seitenwände zeigen in Fresken die beiden Patrone der Pfarrkirche: St. Nikolaus und St. Andreas. Die Inschrift unter dem Bild des HI. Nikolaus aus dem Jahr 1492 will dem Besucher sagen, dass auf Kirche und Altäre Ablässe von insgesamt 5440 Tage gewährt sind.

St.-Sebastiani-Kapelle (4)

Der Sebastiani-Altar (1776) ist der einzige, der die Welle der Neugotisierung voll überdauert hat. Die beiden Bilder stellen die Pestpatrone St. Sebastian und St. Rochus dar; sie wurden von Johann Nep. della Croce aus Burghausen 1797 geschaffen. Das Fenster zeigt noch einmal das Martyrium des HI. Sebastian, gestiftet von der Brauerswitwe Babette Niedermaier 1888.

Die Fresken im Netzgewölbe haben die 4 abendländischen Kirchenlehrer zum Inhalt: Augustinus mit Knaben, Hieronymus mit Totenkopf, Ambrosius mit Bienenkorb und Gregor d. Gr. mit Federkiel.

Über dem barocken Prachtbetstuhl ist links vom Fenster der Diakon Stephanus abgebildet. Durch Aufstellen des Altares ist das Pendant auf der rechten Seite, der Diakon Laurentius, zerstört worden, ebenfalls die Kragköpfe, die sich auch auf dieser Seite der Kapelle befanden.

Capella 1606 (5)

Diese Kapelle wurde von der Zunft der Mauerer erbaut. Besonders reich ist der Eingangsbogen mit den Heiligen Wolfgang und Nikolaus ausgestaltet. Altar und Fenster haben jeweils Maria, umgeben von Heiligen, zum Inhalt. Das Glasfenster wurde 1899 von Martin Bittl zum Gedenken an seine Eltern gestiftet.

Die Decke zieren 6 heilige Frauen, alle Martyrerinnen aus der Zeit der römischen Christenverfolgung: Ursula, Margaretha, Sabina, Katharina, Agnes und Barbara.

Eine Inschrift über dem Beichtstuhl besagt, dass der Bürgermeister Wolfgang Salzinger 1605 diese Kapelle hat ausmalen lassen.

Kapelle der Schmerzhaften Mutter (6)

Die Zunft der Schuster und Lederer hatten diese Kapelle bauen und zu Ehren der Gottesmutter weihen lassen. So zeigen zwei Wappenschilder am unteren Ende des Eingangbogens einen modischen Schnabelschuh und einen ledernen Löscheimer. Den Altar (1882) beherrscht eine Pieta.

Das Glasfenster zeigen Szenen aus dem Leben Jesu und seiner Mutter Maria. Die Westwand ziert eine Schutzmantelmadonna.

Auf dem Weg zum südlichen Seitenschiff

An der Abschlusswand des nördlichen Seitenschiffes befindet sich hoch oben ein besonders wertvolles Gemälde aus dem ehemaligen Hochaltar (1896 abgebaut) (27).

Am Aufgang zur Empore hängt eine Gedenktafel (21), die an das Bürgermeisterehepaar Christoph Lohner und seine Gattin Helena Jetzingerin erinnert, die 1642 Empore und Orgelgehäuse samt Orgel gestiftet haben. Ihr Grabstein befindet sich direkt unter der Empore neben dem Aufgang (21).

Auf dem Weg zum südlichen Seitenschiff sollte man nicht versäumen, mit einem Blick die Schönheit des spätgotischen Raumes zu erfassen.

Auf der Westwand des südlichen Seitenschiffs hängt ein großes ehemaliges Altarblatt, das die HI. Familie mit Johannes d. Täufer darstellt (um 1700) (22).

Dreikönigskapelle (7)

Die kleine aufgemalte Tafel über dem Eingang besagt, dass diese Kapelle zu Ehren der HI. Drei Könige geweiht wurde. Die Jahreszahl 1602 weist lediglich auf das Jahr der Ausmalung hin. Hier befand sich einst der nun zwei Kapellen weiter vorne stehende Dreikönigs-Flügelaltar (9). Die Schneiderzunft fand sich in dieser Kapelle zu besonderer Andacht ein; deshalb ist über dem Fenster in einem Wappen eine Schneiderschere zu sehen. Der Altar (1882) ist der Verehrung des HI. Franz v. Paul gewidmet. Johannes Nepomuk und Antonius von Padua sind die beiden Assistenzfiguren.

Im Glasfenster ist die Bischofsweihe des HI. Augustinus durch Bischof Valerius im Jahre 395 dargestellt. Dieses Fenster enthält einige ortsbezogene Darstellungen. So ist oben das Stadtwappen von Neuötting zu sehen. Das untere linke Bild zeigt die auf der nördlichen Anhöhe des Inntals gelegene Burg, die der Stifter des Fensters, der ehemalige Ziegeleibesitzer August Unterholzner von Eisenfelden gegen Ende des 19. Jh. im Geist der Neuromantik hat erbauen lassen. In der Nacht zum 19.12.1969 wurde die Burg ein Raub der Flammen. In der Mitte steht die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus und rechts das Landshuter Tor in der Gestalt vor dem Einsturz am 5.12.1949.

Das zum 500jährigen Jubiläum der Pfarrkirche verfertigte Fenster (1910) zeigt in der Figur des Mitraträgers den damaligen Stadtpfarrer und Heimatforscher Franz X. Leeb. Er war von 1902-1921 Stadtpfarrer von Neuötting.

An den beiden Fensterseiten sind der Hl. Erasmus und der Hl. Petrus an die Wand gemalt. Dem Altar gegenüber befindet sich an der Westwand ein Kreuzigungsbild mit dem Stifter, Die Decke zieren 4 Szenen aus der Kindheitsgeschichte Jesu: Jesu Geburt und Darstellung im Tempel, den Betlehemitischen Kindermord und den zwölf jährigen Jesus im Tempel.

St.-Ulrichs-Kapelle (8)

Diese Kapelle war einst dem Hl. Bischof Ulrich geweiht worden. Der Altar (1883) zeigt den Hl. Aloisius, flankiert vom Hl. Ignatius und dem Hl. Franz Xaver. In der Predella befindet sich eine Reliefgruppe der 14 Nothelfer aus dem 18. Jh. Das Glasfenster erzählt die biblische Geschichte vom reichen Prasser und dem armen Lazarus. Die Bäckerzunft hatte hier ihre Kapelle.

In dieser Kapelle befinden sich die interessantesten und auch ältesten Fresken aller Seitenkapellen. Die gotischen Fresken auf der Süd-Wand und im Netzgewölbe stammen laut einer Inschrift aus dem Jahr 1492.

Rechts vom Fenster ist eine sehr schöne Darstellung der Steinigung des Hl. Stephanus zu sehen. Die Szene ist nach Art der Malerei der Donauschule in eine Landschaft hineingestellt.

Auf der gegenüberliegenden Seite ist in einem teilweise zerstörten Fresko die Hl. Magdalena dargestellt. Nach der Legende hat sich die Hl. Maria Magdalena nach der Himmelfahrt Jesu 30 Jahre lang bis zu ihrem Tod in die Wüste als Einsiedlerin zu einem Büßerleben zurückgezogen. Dabei sollen sie täglich siebenmal zu den einzelnen Gebetszeiten Engel in die Lüfte erhoben haben. In dieser Zeit soll ihr Leib, der sich einst der Sünde hingab, mit einem Haarkleid bedeckt worden sein. Die Darstellung nimmt diese Legende wieder auf. über diesen beiden Bildern befinden sich unvollständig erhalten gebliebene kurze Allerheiligenlitaneien. Die beiden portraitartigen Bilder zeigen wohl Bürger, die als die Stifter dieser Fresken anzusehen sind. Deren Namen auf den Spruchbändern konnten nicht mehr entziffert werden, aber die für die Geschichte der Kirche sehr wichtige Jahreszahl 1492.

Auch das Netzgewölbe enthält noch gotische Fresken: musizierende Engel, den Verkündigungsengel Gabriel, zwei Stifterwappen und acht weitere heilige Männer und Frauen.

Die Seccomalereien auf der West-Wand sind um 1600 entstanden und erzählen aus dem Leben Johannes des Täufers. Im Spitzbogenfeld ist die Taufe Jesu im Jordan dargestellt und darunter in der Form eines Triptichons die Enthauptung des HI. Johannes des Täufers.

St.-Antonius (major)-Kapelle (9)

Dem Vater der Wüstenmönche, dem HI. Einsiedler Antonius, war diese Kapelle geweiht laut Visitationsprotokoll von 1671. Im neugotischen Gehäuse befinden sich die Teile eines gotischen Flügelaltares. Im Mittelschrein steht ein Relief der Anbetung der HI. Drei Könige. Die Flügeltüren enthalten je 2 beidseitig bemalte Tafelbilder. Linker Flügel: auf der Innenseite oben St. Michael, unten St. Blasius, auf der Außenseite oben St. Ulrich, unten St. Ottilie.

Rechter Flügel: auf der Innenseite oben St. Christophorus, unten St. Apollonia; auf der Außenseite oben St. Nikolaus, unten eine Heilige mit brennender Lampe.

Das Holzrelief der Predella stellt den Tod Mariens dar, umgeben von den Aposteln. Das Fenster ist dem Kirchenpatron St. Nikolaus gewidmet.

Die Ausmalung dieser Kapelle wurde laut Inschrift von der Bruder- und Schwesternschaft der Bäcker und Bäckerknechte gestiftet. Das Bild über der Inschrift auf der West-Wand zeigt das Martyrium der HI. Ursula und ihrer Gefährtinnen auf dem Rhein zu Köln. Die beiden Fensterseiten zieren römische Martyrer im Soldatenrock. Im Gewölbe sind die Heiligen Nikolaus, Rupert, Leonhard und Galus zu sehen.

Kanzelsäule (15)

Nicht unbeachtet darf die Kanzelsäule bleiben. Ein ähnlich seltener, den Pfeiler durchbrechender Kanzelaufgang ist auch in Landshut (St. Martin) und in Braunau (St. Stephan) anzutreffen. Um die Treppe im Mauerkern aufnehmen zu können, wurde der Pfeiler im unteren Drittel stärker angelegt und geht nach dem Durchgang zur Kanzel wieder in das Normalprofil der anderen Pfeiler über. Die Kanzel selber ist neugotisch (1854); aber die Kanzeltüre aus dem Jahr 1563 zeigt neben dem Stadtwappen die Wappen des Bayernherzog Albrecht V. und seiner Gemahlin Anna von Osterreich. Eine Besonderheit stellen die früher unverglasten Maueröffnungen über den Kapellenbögen dar. Vermutlich sollten sie der Luftzufuhr in die Hohlräume unter den Pultdächern der Seitenkapellen dienlich sein.

Krieger-Gedächtnis-Kapelle (10)

Hier befand sich einst das Süd-Portal, ähnlich wie das gegenüberliegende Nord-Portal mit einer Vorhalle versehen. 1799 wurde dieses Portal zugemauert und zu einem Abstellraum degradiert. Erst 1925 gestaltete man diesen Raum zu einer Krieger-Gedächtnis-Kapelle um.

Eine Pieta aus dem 17. Jh. ist umgeben von 8 Tafeln mit den vielen Namen der Gefallenen aus dem 1. und 2. Weltkrieg. Das Glasfenster zeigt den gekreuzigten Jesus mit Maria und Johannes, bereits umstrahlt vom Glanz des Auferstandenen. Der Entwurf dazu stammt von P. Bürck, München; ausgeführt wurde das Fenster 1930 von Glasmaler Syrius Eberle, Dachau, und gestiftet vom Möbelfabrikanten Josef Rubenberger.

Das rechte Epitaph am Eingang der Kapelle erinnert an Leonhardt Freidlsperger, gewester Gerichtsschreiber zu Ötting († 1611) und an seine beiden Frauen mit Kindern. Der linke Stein stammt von Johann Franz Felix Freiherr von Liechtenau auf Ottenhofen († 1694), einst „Cammerer, Forst- und Wiltmaister und Mauttner allie".

St.-Wallgang-Kapelle (11)

In der dem HI. Bischof Wolfgang geweihten Kapelle befindet sich der „Jungfrauen-Altar" (1881). Im Altarschrein steht die Immaculata mit der HI. Cäcilia und der HI. Elisabeth. In die Predella wurden 4 Tafelbilder vom Ende des 15. Jh. aufgenommen. Es sind besonders schöne Darstellungen der „heiligen vier Madl": Barbara, Dorothea, Katharina und Ursula. Das Glasfenster erzählt die Geschichte vom barmherzigen Samaritan.

Eine nur sehr fragmentarisch und auch deshalb wieder übermalte Inschrift auf der Süd-Wand der Kapelle besagt, dass diese einmal die Fragner und Krämer der Stadt haben ausmalen lassen; eine Waage auf einem Wappenschild links vom Fenster bestätigt diese Aussage.

An den Feldern rechts und links vom Fenster sind der HI. Wolfgang und der HI. Sebastian dargestellt, wobei der HI. Sebastian von dem Restaurator Sebastian Brandstetter aus Altötting in geradezu genialer Weise der Renaissancemalerei nachempfunden wurde. Von ihm war nämlich außer dem Namen auf dem Podest nichts mehr erhalten geblieben. Diese Ergänzung erfolgte mit Zustimmung des Landesamtes für Denkmalpflege. In den Deckenfeldern sind die vier Erzengel Michael, Gabriel, Raphael und Uriel dargestellt.

St.-Joseph-Kapelle (12)

Die dem HI. Erasmus (früher Jakobus) geweihte Kapelle enthält neben der Bauinschrift über dem alten Sakristeieingang (13) den ältesten Stein, der Aufschluss über die Entstehung der Kapelle gibt. Die nur noch schwer lesbare Inschrift lautet übersetzt: „Im Jahre 1429 hat diese Kapelle mit einer Messe Johannes Perkhauser zu Ehren der Jungfrau Maria, des HI. Jakobus, des HI. Stephanus, des HI. Leonhard, des HI. Wolfgang und aller Heiligen gestiftet". Eine weitere Inschrift an der West-Wand besagt, dass im Jahre 1596 die Zunft der Müller diese Kapelle hat renovieren bzw. ausmalen lassen.

Deswegen ist unter den beiden Heiligen Petrus und Paulus neben dem Fenster auch jeweils ein stilisiertes Wasser- bzw. Mühlenrad abgebildet, Über der Inschrift auf der West-Wand über dem Beichtstuhl befand sich in dem freien, quadratischen Feld einst der bereits erwähnte Stifterstein aus dem Jahre 1429. Das Bild darüber stellt die Krönung Mariens im Himmel dar. In der Decke halten sechs Engel Schriftbänder mit Sätzen aus dem Alten und Neuen Testament, die sich alle auf das Ende des Menschen und das folgende Gericht beziehen.

Im Altarschrein steht zwischen dem HI. Heinrich und dem HI. Bonifatius der HI. Joseph mit dem Jesuskind. Das Fenster mit der Flucht nach Ägypten wurde von der Glasmalerei Mayer in München hergestellt (1943) und von J. Rubenberger gestiftet.

Kaum zu sehen, weil vom anschließenden Herz-Mariä-Altar im Seitenschiff fast verdeckt, befindet sich an der Stirnseite (23) das älteste in der Kirche noch erhaltene Fresko aus der Mitte des 15. Jh. Der HI. Martin teilt seinen Mantel mit einem Bettler, der, der beiden Füße verlustig, nur mit Hilfe von zwei kleinen Fußschemeln mühsam gehen kann.

Die Orgel

Die Kirchenrechnung von 1603 weist bereits einen Eintrag über die Besoldung des Organisten und Kalkanten aus. Der Zeit entsprechend handelte es sich um ein Regal, das vermutlich auf einem kleinen Chörchen im Presbyterium Platz fand. Eine türähnliche Öffnung (13) weist auf die mögliche Stelle auf halber Höhe auf der linken Seite des Presbyteriums hin. 1642 haben der Bürgermeister Christoph Lohner und seine Ehefrau Helena Jetzingerin „wegen besserer Aufnahm der Musik und Beförderung der Ehre Gottes dieses Orgelwerk samt den Chor oder Porkirchen errichten lassen". Weder der Schöpfer des Renaissancegehäuses noch der Erbauer dieser ersten Orgel ist bekannt. Das 13 m hohe Orgelgehäuse gleicht im Aufbau einem Renaissance-Altar und stellt eines der herrlichsten Orgelaufbauten dieser Zeit im altbayerischen Raum dar. Auf einem relativ schmalen 3 m hohen Sockel fußend, weitet sich der Kasten gleich einer Monstranz, um dem dreifach geteilten Orgelprospekt Platz zu bieten, und wird schließlich im Aufzug mit 2 großen Engeln und dem Bild des HI. Nikolaus gekrönt.

Nach einer Beschreibung der Orgel aus dem Jahr 1796 hatte dieses Werk 19 Register. Nach mehrmaliger umfassender Reparatur 1691, 1797, 1835 und 1851 wurde 1878 die Empore um 180 cm angehoben und mit einer neugotischen Brüstung versehen, das Orgelgehäuse aber auf dem gleichen Niveau stehengelassen. So war für den Beschauer die ursprünglich schöne Monstranzform verloren gegangen.

1899 gab man der Fa. Franz B. März, München, den Auftrag zur Neuerstellung einer Orgel und der Maler Bauer übernahm die Neufassung des Gehäuses. Das neue Werk umfasste 25 Register auf zwei Manualen und Pedal verteilt nebst drei Koppeln.

1980 hat der Orgelbauer Gerhard Schmid, Kaufbeuren, ein neues Orgelwerk mit 52 Registern (3407 Pfeifen) auf vier Manualen und Pedal verteilt, gebaut. Das Werk besitzt mechanische Spieltraktur, drei Schwellwerke, 8 mechanische Koppeln und 6 Setzerkombinationen.

Das Gehäuse wurde 1979 um 150 cm angehoben, der Unterbau ergänzt und von der Fa. Schlee, Altötting, restauriert.

Die Glocken

Im Lauf der Jahrhunderte erhielt die Kirche mehrmals ein völlig neues Geläut. Die erste Nachricht darüber stammt aus dem Anfang des 18. Jh. 1716 kam eine Antonius-Glocke und 1758 eine St.-Nikolaus-Glocke auf den Turm. Ein Inventarverzeichnis von 1789 berichtet von 5 Glocken:

1) Große Glocke (20 Ztr.), 2) Gebets-Glocke (12 Ztr.), 3) Vesper-Glocke (5 Ztr.), 4) Speis-Glöcki (11/2 Ztr.), 5) Sterbe-Glöcki (1 Ztr.).

1867 wurden 4 neue Glocken von A. Gugg in Passau gegossen, wobei drei alte Glocken eingeschmolzen wurden. Die neuen Glocken hießen: 1) St. Nikolaus (37,5 Ztr.), 2) St. Maria (18 Ztr.), 3) St. Florian (12 Ztr.), 4) St. Sebastian (5 Ztr.). Ebenfalls wurde die Glockenaufhängung nach einem neuen System ausgerichtet.

1917 mussten die beiden kleineren Glocken St. Florian und St. Sebastian abgeliefert werden, wobei erstere wieder zurückgeholt werden konnte.

1931 hat ein Wohltäter wieder eine Sebastiani-Glocke gestiftet. 1942 mussten diese 4 Glocken zu Kriegszwecken abgeliefert werden.

1949 wurden bei der Fa. Czudnochowksi in Erding 4 neue Glocken mit dem „Salve Regina" Thema (h-dis-fis-gis) für Neuötting gegossen

1) St.-Nikolaus-Glocke (41,5 Ztr.), Inschrift: „vivos voco", (die Lebenden rufe ich) und „Ehre sei Gott in der Höhe".

2) St.-Marien-Glocke (19 Ztr.), Inschrift: „Mortuos plango" (die Toten beklage ich) und „Maria, Königin des Friedens, bitte für uns2.

3) St.-Florian-Glocke (10,5 Ztr.), Inschrift: „Fulgura frango" (die Blitze breche ich) und 2Fliehet ihr feindlichen Mächte2.

4) St.-Josephs-Glocke (8 Ztr.), Inschrift: „Heiliger Joseph, Schutzpatron der Kirche, bitte für uns".

Zusätzlich schmückt jede Glocke das Bild des jeweiligen Schutzpatrons. Seltenheitswert hat der insgesamt 21 m hohe Glockenstuhl aus dem Jahr 1664. Er musste 1980 einer großen Reparatur unterzogen werden, um die ursprüngliche Stabilität wieder zu gewinnen.

LITERATURHINWEIS

Pfarrarchiv St. Nikolaus, Neuötting

Fr. X. Leeb: Kirche und Altar des HI. Nikolaus zu Neuötting, Neuötting 1903

Fr. X. Leeb: Neuöttings Pfarrkirche als Jubelbraut, Neuötting 1910

Kunstdenkmale des Königreiches Bayern, Oberbayern, Bezirksamt Altötting (S. 2556 ff)

B. Hubensteiner: Bayerische Geschichte, München 1950

Ordinariat Passau: Handbuch des Bistums Passau, Passau 1958

R. Bauer: Die Bayerische Wallfahrt Altötting, München 1969

F. Weiler: Neuötting am Inn, Neuötting 1971

E. Stahleder: St. Martin, Landshut, München 1975

L. Hüttner: Festschrift zur Orgelweibe, Neuötting 1980

Text: L. Hüttner, Stadtpfarrer

Verlag, Gestaltung und Aufnahmen: HANNES OEFELE VERLAG, 8942 Ottobeuren (Allgäu)

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